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Alterstrukturanalyse: Renteneintritte früh erkennen und vorausschauend handeln

Der demografische Wandel ist kein neues Thema und die Rentenwelle kommt für viele Unternehmen trotzdem überraschend

Wir sprechen seit Jahren darüber, dass geburtenstarke Jahrgänge den Arbeitsmarkt verlassen werden. Dass Unternehmen vor einer wachsenden Zahl an Renteneintritten stehen und sich damit die Belegschaften verändert.

Und trotzdem bin ich immer wieder erstaunt, wie wenig strukturiert manche Unternehmen mit dieser Entwicklung umgehen.

Dabei liegt ein großer Teil der Grundlage für vorausschauendes Handeln längst vor.

Und zwar in den eigenen Personaldaten. Diese können zeigen, wann sich Renteneintritte häufen, welche Bereiche besonders betroffen sein werden und wo Unternehmen frühzeitig ins Handeln kommen sollten.

Denn Renteneintritte kommen nicht überraschend. In vielen Unternehmen sind sie längst Teil der Realität und in den eigenen Daten frühzeitig zu erkennen.

Nicht jeder Austritt ist planbar. Ein Renteneintritt schon.

Austritte lassen sich vereinfacht in zwei Kategorien einteilen.

Es gibt Austritte, die kaum oder nur bedingt planbar sind. Mitarbeitende kündigen. Persönliche Situationen verändern sich. Menschen verlassen ein Unternehmen aus Gründen, die sich nicht Jahre im Voraus absehen lassen.

Und dann gibt es Austritte, die deutlich planbarer sind. Renteneintritte gehören für mich in diese Kategorie.

Mit einer strukturierten Analyse lässt sich zunächst ermitteln, wann Mitarbeitende regulär das Renteneintrittsalter erreichen.

Natürlich bedeutet das nicht automatisch, dass jede Person genau zu diesem Zeitpunkt das Unternehmen verlässt. Manche entscheiden sich für einen früheren Renteneintritt, andere bleiben länger.

Genau deshalb gehört zu einem vorausschauenden Vorgehen zu einem späteren Zeitpunkt auch der Dialog mit den Mitarbeitenden.

Doch das ist ein eigenes Thema. Auf das ich gesondert noch mal eingehen werden.

An dieser Stelle geht es zunächst darum, einen belastbaren Überblick zu gewinnen:


Was kommt in den nächsten Jahren auf die Organisation zu?

Genau hier setzt eine Alterstrukturanalyse an. Sie betrachtet die Alterszusammensetzung der Belegschaft und verbindet verschiedene vorhandene Personaldaten miteinander.

So wird sichtbar, wie sich die Belegschaft in den kommenden Jahren voraussichtlich verändern wird.

Alterstrukturanalyse: Welche Personaldaten braucht es wirklich?

Wenn ich von einer Alterstrukturanalyse spreche, klingt das für manche zunächst nach einer aufwendigen Datenerhebung. Nach großen Systemen, komplexen Auswertungen und einem umfangreichen Analyseprojekt.

Dabei beginnt es viel einfacher. Mit Daten, die in nahezu jedem Unternehmen bereits vorhanden sind.

1. Geburtsjahr und Alter der Mitarbeitenden

Das Alter beziehungsweise das Geburtsjahr ist eine wichtige Grundlage.

  • Wie setzt sich die Belegschaft zusammen?
  • Gibt es Altersgruppen, die besonders stark vertreten sind?
  • Wo zeigen sich deutliche Häufungen?

Allein dieser Blick zeigt bereits, ob beispielsweise ein großer Teil der Belegschaft in einem ähnlichen Zeitraum das Renteneintrittsalter erreichen wird.

Damit wird aus der allgemeinen Aussage „Bei uns gehen in den nächsten Jahren viele in Rente“ erstmals eine greifbare Größenordnung.

2. Die Betriebszugehörigkeit

Für mich gehört auch die Betriebszugehörigkeit unbedingt mit auf den Tisch. Denn es macht einen Unterschied, ob jemand seit drei Jahren oder seit dreißig Jahren Teil eines Unternehmens ist.

Eine lange Betriebszugehörigkeit bedeutet nicht automatisch, dass eine Person kritisches Wissen besitzt.

Aber sie kann ein Hinweis darauf sein, dass über viele Jahre Erfahrungen gesammelt, Netzwerke aufgebaut und Entwicklungen im Unternehmen miterlebt wurden. Langjährige Mitarbeitende kennen häufig Zusammenhänge, Hintergründe und gewachsene Strukturen, die sich über Jahre entwickelt haben.

Genau deshalb ist die Kombination aus Alter und Betriebszugehörigkeit interessant.

Wenn in einem Bereich mehrere Mitarbeitende in den nächsten Jahren das Renteneintrittsalter erreichen und gleichzeitig seit zwanzig oder dreißig Jahren im Unternehmen sind, sollte das zumindest ein Signal sein, genauer hinzuschauen.

3. Renteneintritte planen: Der zeitliche Horizont macht den Unterschied

Aus dem Geburtsjahr lässt sich ableiten, wann Mitarbeitende voraussichtlich das reguläre Renteneintrittsalter erreichen.

Damit entsteht eine zeitliche Perspektive.

  • Wie viele Mitarbeitende könnten in den nächsten drei, fünf oder sieben Jahren altersbedingt aus dem Unternehmen ausscheiden?
  • Gibt es einzelne Jahre, in denen sich die Renteneintritte deutlich häufen?
  • Oder verteilt sich die Entwicklung gleichmäßiger?

Genau diese zeitliche Staffelung ist entscheidend. Denn es macht einen Unterschied, ob innerhalb von fünf Jahren zwanzig Mitarbeitende nach und nach in Rente gehen oder ob fünfzehn davon innerhalb von zwei Jahren das reguläre Renteneintrittsalter erreichen.

4. Wo werden die Renteneintritte stattfinden?

Spätestens jetzt wird es interessant, die Daten weiter zu differenzieren.

Denn zwanzig voraussichtliche Renteneintritte im gesamten Unternehmen erzählen eine andere Geschichte als acht Renteneintritte innerhalb einer einzelnen Abteilung.

Die Frage lautet also nicht nur: Wie viele Mitarbeitende könnten in den nächsten Jahren in Rente gehen?

Sondern auch: In welchen Bereichen und Abteilungen werden diese Austritte stattfinden?

Vielleicht verteilt sich ein Großteil der Renteneintritte gleichmäßig über das Unternehmen. Vielleicht zeigt die Analyse aber auch, dass in einer technischen Abteilung innerhalb von drei Jahren ein Drittel der Mitarbeitenden das Renteneintrittsalter erreicht.

Beide Situationen brauchen ein anderes Vorgehen. Und genau das lässt sich erst erkennen, wenn die Daten nach Bereichen und Abteilungen betrachtet werden.

5. Standorte: Wo trifft der demografische Wandel das Unternehmen besonders stark?

Für Unternehmen mit mehreren Standorten gehört auch die regionale Perspektive in die Analyse. Denn die Altersstruktur kann sich von Standort zu Standort deutlich unterscheiden.

Vielleicht erreichen unternehmensweit in den kommenden fünf Jahren zehn Prozent der Belegschaft das Renteneintrittsalter. An einem einzelnen Standort können es im gleichen Zeitraum aber dreißig Prozent sein.

Wer nur auf die Gesamtzahl schaut, erkennt diese Konzentration möglicherweise nicht. Für den betroffenen Standort macht sie jedoch einen erheblichen Unterschied.
Deshalb lohnt es sich, die Altersstruktur der Belegschaft nicht nur auf Unternehmensebene, sondern auch standortbezogen zu betrachten.

6. Funktion und Rolle: Wo zeigen sich Häufungen?

Auch Funktion und Rolle gehören für mich in eine erste Betrachtung.

  • Gehen Menschen aus sehr unterschiedlichen Funktionen in Rente?
  • Oder zeigen sich Häufungen in bestimmten Rollen?
  • Betrifft die Entwicklung vor allem einzelne Fachbereiche, operative Funktionen oder Führungsrollen?

Dabei geht es an dieser Stelle noch nicht darum, das Wissen einzelner Personen zu bewerten.

Es geht darum zu erkennen, ob bestimmte Funktionen in den kommenden Jahren besonders stark von Renteneintritten betroffen sein werden.

Wenn beispielsweise mehrere Meister, Projektleiter oder Mitarbeitende aus einer bestimmten Fachfunktion innerhalb eines kurzen Zeitraums das Renteneintrittsalter erreichen, ist das eine relevante Information für die weitere Personal- und Organisationsplanung.

Genau solche Häufungen sollte eine Alterstrukturanalyse sichtbar machen.

Personaldaten allein sind noch keine Alterstrukturanalyse

Und genau hier liegt für mich einer der entscheidenden Punkte.

  • Vielleicht gibt es eine Altersübersicht im HR-System.
  • Vielleicht kennt jemand die Anzahl der Mitarbeitenden über 60.
  • Vielleicht liegen Listen in verschiedenen Abteilungen.
  • Vielleicht gibt es Excel-Auswertungen, die einmal im Jahr erstellt und anschließend wieder abgelegt werden.

Doch werden diese Daten strukturiert erhoben, miteinander in Beziehung gesetzt und ausgewertet? Und werden daraus tatsächlich Schlüsse für die kommenden Jahre gezogen?

Genau das erlebe ich in Unternehmen erstaunlich selten. Die Daten sind vorhanden. Aber häufig fehlt die systematische Betrachtung dessen, was sie gemeinsam zeigen.

Erst wenn diese Informationen zusammen betrachtet werden, wird sichtbar, wo sich Renteneintritte häufen und in welchen Teilen der Organisation frühzeitig Handlungsbedarf entstehen kann.

Die Rentenwelle beginnt nicht mit dem Rentenantrag

Wer erst auf einen Rentenantrag oder die Ankündigung des letzten Arbeitstages reagiert, beginnt sehr spät. Die Entwicklung ist häufig Jahre vorher in den eigenen Daten erkennbar.

Unternehmen müssen dafür nicht in die Glaskugel schauen. Sie müssen die vorhandenen Informationen strukturiert betrachten und ernst nehmen, was sie zeigen.

Alterstrukturanalyse als erster Schritt: Hinschauen schafft Transparenz

Eine Alterstrukturanalyse beantwortet noch nicht alle Fragen.

Sie sagt noch nicht, welches Wissen kritisch ist.
Sie organisiert keine Nachfolge.
Und sie sorgt auch noch nicht dafür, dass Wissen weitergegeben wird.

Aber sie schafft Transparenz. Sie zeigt, wann mit größeren Renteneintritten zu rechnen ist, wo sich diese häufen und welche Bereiche, Standorte oder Funktionen besonders betroffen sein können.

Und genau daraus können Unternehmen eine Strategie und ein strukturiertes Vorgehen ableiten. Nicht erst dann, wenn der Zeitdruck bereits da ist. Sondern vorausschauend. Und gut vorbereitet auf eine Entwicklung, von der wir längst wissen, dass sie kommt.

Du möchtest dich dem Thema weiter annähern?
Dann könnten diese Fragen ein guter Ausgangspunkt für deine Reflexion sein:

Wisst ihr konkret, wie viele Mitarbeitende in den nächsten drei, fünf oder sieben Jahren voraussichtlich in Rente gehen?

Könnt ihr diese Entwicklung nach Bereichen, Standorten und Funktionen sichtbar machen?

Zwischen den Generationen liegt kein Wissensproblem, sondern eine Brücke

„Die Jungen müssen jetzt von den Erfahrenen lernen.“ Diesen Satz höre ich gerade oft, wenn es um die Babyboomer und ihren bevorstehenden Abschied aus dem Arbeitsleben geht.

Und ja: In vielen Organisationen ist über Jahrzehnte ein enormer Erfahrungsschatz gewachsen. Wissen über Kunden, Abläufe, Entscheidungen, Zusammenhänge, Vorgehensweisen. Ein Gespür dafür, wann eine Situation kippt. Die Erinnerung daran, warum bestimmte Dinge heute so sind, wie sie sind.

Trotzdem frage ich mich, ob uns genau dieser Satz nicht in die falsche Richtung führt. Denn die Vorstellung, die eine Generation müsse ihr Wissen an die nächste weitergeben, klingt nach einer ziemlich eindeutigen Rollenverteilung.

Die einen wissen. – > Die anderen lernen.
Die einen geben. – > Die anderen nehmen.

Doch so funktioniert Wissen nicht.

Wissenstransfer zwischen Generationen ist keine Einbahnstraße

Erfahrung lässt sich nicht einfach übergeben.

Und sie lässt sich auch nicht eins zu eins von einem Menschen auf einen anderen übertragen. Denn Erfahrungswissen ist in einem ganz bestimmten Kontext entstanden. Es wurde geprägt durch Arbeitswelten, Strukturen, Beziehungen, Werten und technische Möglichkeiten. Durch Führung, Krisen und Veränderungen. Durch Erfolge, Fehler und manchmal auch durch Umwege.

Was für einen erfahrenen Mitarbeiter über viele Jahre hervorragend funktioniert hat, muss deshalb nicht automatisch die richtige Antwort auf die Fragen von morgen sein.

Das macht seine Erfahrung nicht weniger wertvoll. Ganz im Gegenteil. Aber es verändert unseren Blick auf den Wissenstransfer zwischen Generationen.

Es geht nicht darum, Erfahrungen zu kopieren. Es geht darum, sie verstehbar zu machen.

  • Warum hast du damals so entschieden?
  • Woran hast du erkannt, dass etwas nicht stimmt?
  • Was würdest du heute wieder genauso machen?
  • Und was vielleicht ganz anders?

Genau dort beginnt für mich ein Wissenstransfer. Nicht beim Übernehmen fertiger Antworten. Sondern beim gemeinsamen Verstehen.

Generationen sind keine Schubladen

Wenn wir über Babyboomer sprechen, sind die Klischees oft schnell zur Hand.

Die einen gelten als loyal, erfahren und pflichtbewusst. Die anderen als digital, flexibel und veränderungsbereit. Doch Menschen passen selten sauber in solche Kategorien. Nicht jeder erfahrene Mitarbeiter hält an alten Wegen fest. Und nicht jede jüngere Kollegin bringt automatisch eine vollkommen neue Perspektive mit.Generationenmodelle können uns helfen, Prägungen besser zu verstehen. Schwierig wird es, wenn aus Orientierung Zuschreibung wird.

Denn Wissenstransfer braucht vor allem eines: echtes Interesse am Menschen gegenüber.

Wer Wissen weitergeben will, möchte mit seiner Erfahrung in gute Hände übergeben. Wer neu in ein Thema kommt, möchte mit den eigenen Fragen, Ideen und Kompetenzen ernst genommen werden. Beides gehört zusammen.

Deshalb sollten wir weniger die Fragen stellen: Wie bekommen wir das Wissen der Älteren in die Köpfe der Jüngeren?
Und stattdessen: Wie bringen wir unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven miteinander ins Gespräch?

Das ist ein kleiner aber feiner Unterschied.

Wenn Erfahrung auf neue Fragen trifft

Ich mag das Bild eines Orchesters. Ein Orchester wird nicht dadurch gut, dass alle das Gleiche spielen. Es lebt von unterschiedlichen Instrumenten, Klangfarben und Einsätzen. Von Menschen, die ihr Instrument beherrschen und gleichzeitig aufeinander hören. Ähnlich ist es mit dem Wissen in Organisationen.

Langjährige Mitarbeitende kennen oft Zusammenhänge, die bis heute nie dokumentiert wurden. Sie haben Muster gesehen, Entwicklungen miterlebt und Beziehungen aufgebaut.

Jüngere oder neu hinzukommende Mitarbeitende stellen vielleicht Fragen, die lange niemand mehr gestellt hat.

  • Warum machen wir das eigentlich so?
  • Ginge das auch anders?
  • Was passiert, wenn wir diese beiden Dinge miteinander verbinden?

Erfahrung gibt Orientierung. Neue Perspektiven öffnen Möglichkeiten.

Wissen wirkt dort besonders kraftvoll, wo beides zusammenkommen darf. Das bedeutet übrigens auch: Wissenstransfer ist wechselseitig. Vielleicht lernt eine jüngere Kollegin, warum ein bestimmter Kunde an einer Stelle besonders sensibel reagiert. Und der erfahrene Kollege entdeckt im gleichen Gespräch eine neue Möglichkeit, Informationen zu strukturieren oder Abläufe einfacher zu gestalten.

Wer hat dann wem Wissen vermittelt?
Die Frage verliert plötzlich an Bedeutung. Weil gemeinsam etwas Neues entstanden ist.

Wissenstransfer braucht Begegnung, keine Methode auf Knopfdruck

In der Praxis wünschen sich Organisationen für den Wissenstransfer häufig vor allem eines: Eine Methode. Ein Format. Einen Prozess. Einen Leitfaden.
Das ist verständlich. Und gute Strukturen helfen. Aber keine Methode kann ersetzen, was Wissenstransfer im Kern braucht: Vertrauen. Wertschätzung. Und Zeit.

Menschen teilen ihr Erfahrungswissen nicht, nur weil im Kalender „Wissensübergabe“ steht. Sie erzählen von Fehlern, Zweifeln und schwierigen Entscheidungen dann, wenn ein Raum entsteht, in dem genau das möglich ist. Und Menschen stellen vermeintlich einfache Fragen nur dann, wenn sie nicht befürchten müssen, dafür belächelt zu werden.

Eine Brücke entsteht nicht dadurch, dass wir zwei Seiten benennen. Wir müssen Begegnung ermöglichen und zwar beim gemeinsamen Arbeiten. In Tandems. Im Dialog über konkrete Situationen und Entscheidungen. Beim gemeinsamen Blick auf einen Prozess.

Oder schlicht durch die Frage: „Erzähl mir einmal, worauf du hier eigentlich achtest.“

Wissen weitergeben heißt auch, es weiterzuentwickeln

Die Babyboomer werden unsere Organisationen in den kommenden Jahren zunehmend verlassen. Natürlich sollten wir uns damit beschäftigen, welches Wissen relevant ist und wie wir es sichern. Aber ich glaube, wir greifen zu kurz, wenn wir Wissenstransfer ausschließlich als Rettungsaktion verstehen.

Es geht um mehr.
Es geht um die Frage, wie Wissen zwischen Menschen in Bewegung bleibt.

Wie wir neue Perspektiven zulassen, ohne das Vorhandene vorschnell über Bord zu werfen. Denn vielleicht ist die wichtigste Aufgabe gerade nicht, den Staffelstab möglichst unverändert weiterzugeben. Vielleicht geht es darum, einen Moment gemeinsam zu laufen. Hinsehen. Zuhören. Voneinander lernen. Und dann gemeinsam zu entscheiden, wie der nächste Abschnitt der Strecke aussehen kann.

Du möchtest dich dem Thema weiter annähern?
Dann könnten diese Fragen ein guter Ausgangspunkt für deine Reflexion sein:
Wo erleben unterschiedliche Generationen in deiner Organisation heute schon echten Austausch und wo begegnen sie sich kaum?

Wissenstransfer im Unternehmen: Warum Zeit der entscheidende Erfolgsfaktor ist

„Ach, da haben wir ja noch ein paar Wochen – das kriegen wir schon irgendwie hin.“
Ein Satz, den ich in meiner Arbeit öfter höre. Und der mich jedes Mal ein bisschen nervös macht.

Denn Wissen ist kein Ordner, den wir einfach übergeben.  Keine Checkliste, die wir schnell abhaken können. Wissen ist gelebte Erfahrung, persönliches Fingerspitzengefühl, Kontextwissen, Netzwerke, Routinen – Dinge, die nicht immer sichtbar, aber oft geschäftskritisch sind.

Und genau deshalb braucht Wissen vor allem eins: Zeit.

Warum ein frühzeitiger Wissenstransfer Gold wert ist

Ein strukturierter Wissenstransfer braucht mehr als Methoden, Formate und Prozesse – er braucht den richtigen Zeitpunkt. Denn wer zu spät beginnt, riskiert Wissensverlust, chaotische Übergaben, verunsicherte Nachfolger*innen und Teams, die ins Straucheln geraten.

Das Gute: Du kannst dich vorbereiten und damit Zeit gewinnen.
Wenn du weißt, wie ein typischer Wissenstransferprozess abläuft, kannst du frühzeitig die richtigen Weichen stellen.

Der ideale Zeitplan für erfolgreichen Wissenstransfer

Phase 1: Orientierung & Planung (12–18 Monate vor dem Austritt)
In dieser Phase geht es darum, Orientierung zu schaffen und den Rahmen für den Wissenstransfer zu klären. HR, Führungskraft und Wissensträgerin besprechen gemeinsam Erwartungen, Zeitfenster und Prioritäten. Der letzte Arbeitstag wird als Fixpunkt festgelegt – er bildet die Grundlage für alle weiteren Schritte. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob bereits eine Nachfolgeperson feststeht oder der Rekrutierungsprozess erst noch gestartet werden muss.

Gerade bei Schlüsselpositionen kann die Nachfolge deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen, als man zunächst denkt – wer früh plant, verschafft sich Handlungsspielraum statt Zeitdruck.

Phase 2: Vorbereitung & Struktur (8–12 Monate vor dem Austritt)
Nun beginnt die aktive Vorbereitung. Gemeinsam mit der Wissensträgerin oder dem Wissensträger wird sichtbar gemacht, welches Wissen vorhanden, kritisch oder oft auch „versteckt“ ist. Bestehende Dokumentationen werden gesichtet, ergänzt und neu strukturiert. Diese Bestandsaufnahme bildet Basis für den Wissenstransferplan mit klaren Terminen, passenden Formaten und einem realistischen Zeitrahmen.

Je früher du mit der Wissensidentifizierung und Planung beginnst, desto besser bist du auf Unvorhergesehenes vorbereitet – denn selten läuft alles nach Plan.

Phase 3: Übergabe & Begleitung (mind. 6 Monate vor dem Austritt)
Jetzt startet die eigentliche Übergabe. Wissen wird gezielt weitergegeben – durch gemeinsame Arbeit, begleitendes Mitlaufen, strukturierte Gespräche und die Einführung in Netzwerke oder Kontakte. Wichtig ist, dass Wissen nicht nur übertragen, sondern auch aus Sicht der Nachfolgeperson ergänzt wird.

Plane mehrere kleine Übergaben statt einer großen. Das Tagesgeschäft läuft weiter, und viele Fragen tauchen erst in der Praxis auf.

Phase 4: Verantwortung übertragen (2–3 Monate vor dem Austritt)
Spätestens jetzt sollte die Nachfolgeperson Verantwortung für Aufgaben übernehmen. Das schafft Sicherheit, deckt noch vorhandene Wissenslücken auf und ermöglicht dem Wissensträger:in, schrittweise loszulassen.

Übergib Verantwortung in Etappen und informiere auch alle relevanten Personen, dass der Staffelstab offiziell weitergegeben wurde. So wird der Rollenwechsel transparent und verbindlich.

Phase 5: Abschluss & Reflexion (letzter Monat)
Zum Ende des Wissenstransfers steht die gemeinsame Reflexion. Es wird zurückgeblickt: Was lief gut? Was sollte beim nächsten Mal anders laufen? Ein Abschlussgespräch kann helfen, die Erfahrungen zu sichern und daraus zu lernen. Auch die Verabschiedung selbst ist ein wichtiger Teil dieser Phase – sie zeigt Wertschätzung und prägt die Unternehmenskultur.

Unterschätze diese Phase nicht. Alles, was ihr gemeinsam gelernt habt, kann anderen dabei helfen, ihren eigenen Wissenstransfer noch besser zu gestalten. Daher bereitet eure Learnings so auf, dass andere von eurem Wissen profitieren können.

Wissenstransfer ist kein Sprint – sondern ein gut geplanter Staffellauf.

Wer rechtzeitig beginnt, gestaltet Übergänge reibungslos und sorgt dafür, dass wertvolles Erfahrungswissen nicht verloren geht, sondern weiterwirkt.

Wissenstransfer beginnt nicht am letzten Arbeitstag – sondern immer auch schon heute.
Organisationen, die strukturiert vorgehen, schaffen Vertrauen: bei denen, die gehen, und bei denen, die übernehmen.

Sie vermeiden Stress, sichern geschäftskritisches Wissen und stärken damit die Zukunftsfähigkeit der Organisation.

Oder anders gesagt: Wissenstransfer ist kein Projekt für den letzten Monat, sondern ein strategischer Prozess mit vielen Stellschrauben. Und mit jeder Menge Potenzial.

Du möchtest dich dem Thema weiter annähern?
Dann könnten diese Fragen ein guter Ausgangspunkt für deine Reflexion sein:
Was würde passieren, wenn morgen eine Schlüsselperson überraschend ausfällt – wärst du vorbereitet? Und wie könntest du dich darauf vorbereiten?

Zahlen, die Mut machen: Warum Wissensmanagement jetzt strategisch werden sollte

Für ein Kundenprojekt habe ich mich in den letzten Wochen intensiv mit Zahlen beschäftigt und recherchiert.

Auch wenn ich eigentlich kein großer Freund von Zahlen im Zusammenhang mit Wissen bin – weil dieses immer individuell und kaum vergleichbar sind – schätze ich sie doch an der einen oder anderen Stelle:

Sie untermauern unsere Intuition und liefern die Argumente, warum Wissensmanagement in Organisationen auch strategisch beachtet werden sollte.

Wir alle spüren im Alltag, wie entscheidend Wissen für gute Zusammenarbeit und die Zukunftsfähigkeit von Organisationen ist. Doch erst Zahlen verleihen diesem Gefühl das nötige Gewicht – in Vorstandsrunden, Budgetgesprächen oder Strategieprozessen. Sie machen sichtbar, was sonst unsichtbar bleibt, und verwandeln eine Ahnung oder ein Bauchgefühl in eine greifbare Grundlage für Entscheidungen.

Was die Zahlen zeigen

Rund 19 % der 65- bis 69-Jährigen in Deutschland sind heute noch berufstätig – Tendenz steigend (Statistisches Bundesamt).

Bei den 60- bis 64-Jährigen liegt die Beschäftigungsquote bei 63 % – vor zehn Jahren waren es noch 47 % (OECD).

Bis 2036 gehen 12,9 Millionen Babyboomer in Deutschland in Rente (Bundesagentur für Arbeit).

Schon heute fehlen laut IAB rund 1,8 Millionen Fachkräfte (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung).

Gallup zeigt: Unternehmen verlieren durch mangelnde Mitarbeiterbindung jedes Jahr Milliarden (Gallup Engagement Index).

Ich sehe diese Zahlen nicht als Bedrohung, sondern als einen Weckruf: Sie zeigen, wo Organisationen gezielt ansetzen können, um Wissen zu sichern.

Offboarding und Wissenssicherung: Noch viel PotenzialWo noch viel Potenzial liegt

Mich hat interessiert, wie Unternehmen aktuell mit dem Thema Offboarding und Wissenssicherung umgehen.
Denn wir alle wissen: Der Austritt von Mitarbeitenden ist nicht nur ein administrativer Prozess – hier entscheidet sich, ob wertvolles Wissen bleibt oder verloren geht.

Darum habe ich eine LinkedIn-Umfrage gestartet und die Community gefragt, ob es in ihren Organisationen bereits einen klaren Prozess zur Wissenssicherung gibt.

Das Ergebnis zeigt deutlich: Hier steckt noch viel Potenzial.

  • Ja, wir haben einen Prozess: 3 %
  • Teilweise, noch ausbaufähig: 64 %
  • Nein, bisher kein Prozess: 29 %
  • Aktuell nicht relevant: 4 %

93 % der Unternehmen haben (noch) keinen verlässlichen Ansatz, um Wissen beim Offboarding systematisch zu sichern.

Was es wert ist, Wissen zu sichern

Der Verlust von Wissen wird oft unterschätzt – weil er sich nicht sofort in einer Bilanz zeigt. Doch in Zahlen übersetzt, wird das Ausmaß sichtbar:

Ein einfaches Rechenbeispiel:

  • Jahresgehalt eines erfahrenen Mitarbeitenden: 90.000 €
  • Wert seines Erfahrungswissens: konservativ geschätzt das 2- bis 3-Fache des Jahresgehalts
  • Verlust pro Person: 180.000 bis 270.000 €

Schon bei 100 Abgängen entspricht das bis zu 27 Millionen Euro an verlorenem Wissen. Und hier sind immaterielle Werte wie Netzwerke, Kundenbeziehungen oder eingespielte Abläufe noch gar nicht eingerechnet.

Wissensverlust kostet Milliarden – Wissenssicherung spart Milliarden.

Wissensmanagement ist Zukunftsmanagement

Diese Zahlen sollen nicht schrecken, sondern Klarheit schaffen: Organisationen, die heute anfangen, Wissen systematisch zu sichern, investieren in Resilienz, Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit.

Wissen ist Kapital – und wir entscheiden, ob es verloren geht oder zur Zukunftsgestaltung beiträgt.

Du möchtest dich dem Thema weiter annähern?
Dann könnten diese Frage ein guter Ausgangspunkt für deine Reflexion sein:
Wenn du die Hochrechnungen auf dein Unternehmen überträgst: Wie viele Jahre an Erfahrung und Know-how würden bei euch verloren gehen?

Wissenstransfer – die Uhr tickt

Neulich in einem Projekt erzählte mir eine Führungskraft: „Ich gehe Ende des Jahres in Rente – aber eigentlich nehme ich ein ganzes Team mit.“

Dieser Satz hat mich getroffen. Denn er zeigt, was im Kern auf dem Spiel steht: Mit den Babyboomern gehen nicht nur einzelne Menschen, sondern ganze Jahrzehnte an Erfahrung, Routinen und unternehmensspezifischem Know-how. Alles, was sie mit Herzblut aufgebaut und geprägt haben, droht still zu verschwinden.

Wissenstransfer beginnt jetzt – nicht erst beim Abschied

In einem aktuellen Fachartikel zum Thema Wissenstransfer wurde ich interviewt. Dort habe ich es so formuliert: „Viele unterschätzen, dass Wissenstransfer jetzt beginnt – nicht erst, wenn jemand geht.“

Das Erfahrungswissen von Kolleg:innen verschwindet nicht von heute auf morgen, sondern schleichend. Immer dann, wenn jemand wechselt, ausfällt oder sich zurückzieht.

Was bleibt, ist oft nur das, was zufällig dokumentiert wurde. Doch das Wertvollste steckt in Köpfen, Gesprächen, zwischen den Zeilen – und geht verloren, solange niemand gezielt danach fragt.

Mehr als ein HR-Problem: Die Kosten von verlorenem Wissen

„Unternehmen verlieren damit ganze Teams, die mit einem Schlag verschwinden.“
So drastisch es klingt – genau das passiert, wenn Erfahrungswissen nicht gesichert wird. Und es betrifft längst nicht nur die HR-Abteilung.

Die EU-Kommission schätzt die Kosten durch verlorenes Wissen auf mehrere Milliarden Euro jährlich. Hinter dieser Zahl stehen jedoch keine abstrakten Risiken, sondern ganz konkrete Folgen für Unternehmen:

❌  Fehlentscheidungen, weil Erfahrungswerte fehlen
❌  Reibungsverluste, weil Abläufe neu erfunden werden müssen
❌  Redundante Arbeit, weil Wissen nicht auffindbar ist

Doch hinter diesen Zahlen stehen immer Menschen. Menschen, die jahrzehntelang mit gewirkt, Verantwortung getragen, Prozesse optimiert, das Unternehmen zu dem gemacht habe das es heute ist.
Ihr Beitrag verschwindet nicht, weil er unwichtig ist – sondern, weil er nicht sichtbar gemacht wird.

Erfahrungswissen bewahren: Haltung, Struktur und Technik als Erfolgsfaktoren

Wissenstransfer ist keine Pflichtübung am Ende eines Arbeitslebens, sondern eine große Chance: die Erfahrung einer Generation für die Zukunft nutzbar zu machen.

Haltung – Wissen zu teilen bedeutet Wertschätzung. Es zeigt, dass das, was man aufgebaut hat, zählt und weiterlebt. Eine Kultur, die diese Haltung fördert, macht Mitarbeitende stolz und verbindet Generationen.

Struktur – Ohne klare Prozesse, Rollen und Routinen bleibt Wissenstransfer dem Zufall überlassen. Strukturen geben Orientierung: Wer spricht mit wem, wann, in welchem Format? Sie schaffen Verbindlichkeit und machen Wissen greifbar.

Technik – Digitale Tools können den Austausch sichtbar machen, Wissen ablegen und zugänglich halten. Sie sind das Fundament, ersetzen aber nicht die persönliche Weitergabe. Erst im Zusammenspiel mit Haltung und Struktur entfalten sie ihren Nutzen.

Wie Unternehmen das Lebenswerk ganzer Generationen sichern können

Die Babyboomer-Generation tritt in den nächsten Jahren massenhaft in den Ruhestand.
Wenn wir jetzt nicht handeln, verlieren wir nicht nur Wissen – wir verlieren das Lebenswerk ganzer Generationen.

Der aktuelle Artikel zeigt das eindrücklich. Und es freut mich, dass ich darin meine Perspektive teilen durfte.
Wer sich intensiver mit Wissenssicherung und Wissenstransfer beschäftigen möchte: Es lohnt sich, in diese Ausgabe reinzulesen.

Du möchtest dich dem Thema weiter annähern?
Dann könnten diese Frage ein guter Ausgangspunkt für deine Reflexion sein:
Was würde es für euch bedeuten, wenn das Lebenswerk eurer erfahrensten Mitarbeitenden sichtbar bleibt und Zukunft gestaltet?

Wissen teilen lohnt sich …

Es ist zwei Jahre her, da habe ich beschlossen, über das Thema Wissensteilungskultur ein Buch zu schreiben.

Ich wollte ein positives Bild aufzeigen, unter welchen Rahmenbedingungen der Wissenstransfer in Organisationen gelingen kann.

Herausgekommen ist ein illustrierter Leitfaden in Form eines ABCs der inspirieren, Raum für neue Ideen und Impulse geben soll und gleichzeitig eine Aufforderung zum Gestalten ist.

Als mich Heike Dreißigacker vor zwei Wochen angesprochen hat, ob sie ihr Visual Memo zu meinem Buch teilen darf, war ich gerührt und im ersten Moment sprachlos.

Wie großartig und welch unglaubliche Wertschätzung für meine Arbeit und Gedanken.

Heike Dreißigacker hat eine Zusammenfassung meines Buches auf einen Blick gezaubert, die mein Herz höherschlagen lässt.

Ich hätte es nicht besser aus den Punkt bringen können.

Seht selbst was sie wunderbares gezaubert hat.

 

Wissen ist Macht: Effektives Wissensmanagement in der Organisation

In der heutigen Welt, in der Information und Know-how zur wertvollen Ressource werden, ist unbestritten, dass geteiltes Wissen Macht ist.

Doch wie mobilisieren und nutzen wir dieses Wissen effektiv in unseren Organisationen?
Diese Frage steht im Mittelpunkt des Expertentalks, das ich mit Monja Eberlein von der Haufe Akademie Anfang Januar hatte.

Eine der zentralen Fragen, die wir im Gespräch aufgeworfen haben, betrifft das Teilen von Wissen. Genauer gesagt, warum entscheiden sich Menschen manchmal dafür, ihr Wissen zu teilen, während sie es in anderen Situationen lieber für sich behalten?

Die Antworten darauf sind vielschichtig und hängen von verschiedenen Faktoren ab, darunter Vertrauen, Motivation und die Unternehmenskultur.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, den wir diskutiert haben, ist die Business-Relevanz von Wissensmanagement.

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die Bedeutung eines strukturierten Know-how-Transfers innerhalb von Unternehmen weiterhin zunehmen wird und damit auch das Wissensmanagement einer Organisation immer wichtiger wird.

Dabei wird eine Frage immer wieder gestellt. Was ist beim Mobilisieren von Wissen wichtiger: Technologie oder Menschen?

Wir beide sind uns in diesem Punkt einig. Dabei geht es weniger um das Entweder-oder, sondern vielmehr um ein Sowohl-als-auch.
Technologie kann den Wissenstransfer unterstützen und beschleunigen, aber letztendlich sind es die Menschen, die das Wissen schaffen, teilen und nutzen.

Wer nicht live dabei sein konnte, kann unser Gespräch hier ansehen.

Ich wünsche viel Spaß beim Ansehen

Routinewissen und wertvolle Erfahrungen effektiv weitergeben

In den letzten Wochen habe ich über einen Wissenstransfer berichtet, den ich gerade begleite.

Dabei geht es vor allem um die Weitergabe von Routinewissen in einer Kommunikationsagentur.

Bei der Wissensidentifizierung wurde deutlich, dass die Wissensträgerin über ein außergewöhnliches Routinewissen verfügt, das es ihr ermöglicht, viele Aufgaben gleichzeitig und äußerst effizient zu bewältigen.

Meine Unterstützung zielt also darauf ab, diese Routinen sichtbar zu machen, damit die Nachfolgerin von diesem Wissen profitieren kann.

In der letzten Wochen haben sich beide zusammengesetzt und sind jede Routine gemeinsam Schritt für Schritt zusammen durchgegangen. Dabei hat die Wissensempfängerin einzelnen Schritte auch immer mal wieder hinterfragt und nachgebohrt, um zu verstehen, warum das Vorgehen so und nicht anders funktioniert.

Einen Punkt finde ich besonders bemerkenswert.

Je tiefer die beiden in die Routinen eingetaucht sind, desto kritischer wurden die Fragen. Das hat die Wissensgeberin an manchen Stellen echt herausgefordert, denn die Antworten auf die Fragen zu finden war oft nicht so einfach.

Mit dem gezielten Nachbohren hat die Wissensempfängerin ihre eigene Perspektive, ihr Wissen und ihre Erfahrungen eingebracht und damit den Blick der Wissensgeberin geöffnet. Was wiederum dazu geführt, dass die beiden an einigen Stellen die Routinen angepasst haben.

So ist im Wissenstransfer noch mal neues Wissen entstanden, das die Wissensgeberin nutzen kann, um ihre eigene Routine zu entwickeln.

Dieser Wissenstransfer zeigt, dass die Weitergabe von Routinewissen möglich ist.

Allerdings erfordert es Engagement und die Offenheit, bestehende Routinen zu überdenken. Im aktiven Austausch zwischen Wissensgeberin und Wissensempfängerin können so neue Erkenntnisse entstehen, die die Qualität der Arbeit für die Zukunft verbessern können.

Die beiden anderen Beiträge dazu findet ihr hier:
Routinewissen – der Schlüssel zur Effizienz im Agenturalltag?
Wissenstransfer: Routinen, Tipps und Stolperfallen

Wissenstransfer: Routinen, Tipps und Stolperfallen

Vor ein paar Wochen habe ich über einen Wissenstransfer berichtet, den ich momentan begleite.

Dabei geht um Routinewissen und wie wir dieses Wissen sichtbar und greifbar machen können, damit ihre Nachfolgerin von diesem Wissen profitieren kann.

Dazu bin ich mit der Wissensträgerin immer wieder ihre einzelnen Routinen und Vorgehensweisen Schritt für Schritt durchgegangen.

Dabei habe ich ihr geholfen, zu verstehen, warum sie ihre Routinen genauso und nicht anders ausführt, was bei jedem Schritt beachtet werden muss, damit er genauso ausgeführt werden kann und nichts aus dem Ruder läuft.

Mittlerweile haben wir fast alle ihre Routinen aufgezeichnet. Darin ist jeder einzelne Schritt dokumentiert.

Damit kann die Nachfolgerin jeden der Schritte innerhalb der einzelnen Routine gut nachvollziehen und verstehen. Dabei ist nicht nur wichtig, welche Schritte aufeinander folgen, sondern WARUM welcher Schritt wann folgt und an welcher Stelle Störfaktoren auftreten können.

Zusätzlich hat die Wissensgeberin alle wichtigen Schritten mit hilfreichen Tipps, Tricks, Kniffen aber auch Stolperfallen versehen, um zu zeigen, welche Schritte mehr Aufmerksamkeit und Wissen benötigen.

Wir sind beide schon sehr darauf gespannt, wie der erste Wissenstransfer in der kommenden Woche mit der Nachfolgerin laufen wird.

  • Ob die Schritte für die Nachfolgerin nachvollziehbar sind?
  • Ob die Tipps, Tricks, Kniffen und Stolperfallen ihr wirklich helfen werden?
  • Ob es Punkte gibt, die wir vergessen oder nicht gesehen haben?
  • Welche Schritte aus ihrer Perspektive vielleicht unlogisch sind?
  • An welchen Stellen sie vielleicht Anpassungen oder Änderungen vornehmen würde?

Wenn ihr wissen wollt was wir im ersten Schritt gemacht haben dann seht euch folgenden Beitrag an:
Routinewissen – der Schlüssel zur Effizienz im Agenturalltag?

Routinewissen – der Schlüssel zur Effizienz im Agenturalltag?

Ich begleite gerade einen Wissenstransfer bei einer kleinen Kommunikation Agentur.

Der Agenturchef möchte, dass das umfangreiche und komplexe Wissen der Mitarbeiterin im Unternehmen bleibt.

An einem halben Tag durfte ich der Wissensträgerin über die Schulter schauen und sie begleiten.

Dabei hat sich schnell herausgestellt, um welches Wissen es eigentlich geht.

Mir ist aufgefallen:

  • Die Mitarbeiterin ist super gut organisiert.
  • Jeder Task ist geplant und wird Schritt für Schritt nach einem bestimmten Vorgehen abgearbeitet.
  • Bei ihr läuft gefühlt alles wie am Schnürchen.
  • Sie lässt sich auch nicht aus der Ruhe bringen, wenn etwas nicht so läuft wie geplant. Denn, so sagt sie selbst: Ich rechne immer damit, dass etwas nicht so läuft, wie geplant.

Für mich als Außenstehende ist das sehr beeindruckend.

Und schnell stellt sich die Frage:
Über welches Wissen verfügt sie, um alle ihre Tasks nicht nur nacheinander, sondern auch parallel steuern zu können.

Und dann ist es mir klar.

Sie verfügt über ein außergewöhnliches und ausgefeiltes Routinewissen. Damit kann Sie die vielen einzelnen Aufgaben perfekt aufeinander abstimmen.

Um das genau so tun zu können, hat sie sich im Laufe der Zeit für alle möglichen Aufgaben eine eigene Routine zurechtgelegt, die sie dann nutzt, wenn sie die Routine braucht.

In meiner Zusammenarbeit mit der Wissensgeberin und Wissensempfängerin wird es in erster Linie darum gehen, die Routinen, die bei der Wissensträgerin voll automatisch ablaufen, sichtbar zu machen.

Denn das, was sie tut, ist ihr selbst in vielen Teilen nicht bewusst.

So werden wir uns in den kommenden Wochen noch ein paar mal treffen, um Ihre Routinen zu besprechen, um zu erkunden, warum sie diese genau so tut und was genau sie dabei so erfolgreich macht.