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Organisationen als lebendige Wissenssysteme – Wie echtes Wissensmanagement Motivation ermöglicht

Wissen ist kein Besitz, der nur verwaltet wird. Es ist ein lebendiger Prozess, der sich ständig verändert – durch Erfahrungen, Begegnungen und Beziehungen. Organisationen, die das verstanden haben, begreifen sich nicht als Wissensspeicher, sondern als Wissenssysteme – dynamisch, durchlässig, menschlich.

Doch viele Organisationen verharren noch in der Logik des Einforderns: Mitarbeitende sollen dokumentieren, teilen, pflegen. Wissensmanagement wird so zu einer rein administrativen Aufgabe, die selten inspiriert und noch weniger Spaß macht.

Motivation entsteht so aber nicht. Wissen teilt sich nicht, weil jemand es verlangt – sondern weil jemand es ermöglicht. Weil Strukturen, Prozesse und Haltungen darauf ausgerichtet sind, Wissen fließen zu lassen statt es zu kontrollieren.

Die entscheidende Frage ist also nicht: Wie bringen wir Menschen dazu, ihr Wissen zu teilen?
Sondern: Welche Bedingungen schaffen wir, damit sie es von selbst tun wollen – und können?

Sinn als Kompass – Warum Wissen mehr braucht als Ziele

Wissen entfaltet seine Wirkung, wenn Menschen verstehen, warum gerade ihr Wissen gebraucht wird – und wie dadurch ein Mehrwert für alle entsteht. Nicht, weil sie dazu verpflichtet sind, sondern weil sie spüren, dass ihr Beitrag Bedeutung hat.

Organisationen, die Wissensteilung fördern wollen, müssen Sinn erlebbar machen – jenseits von Zielvorgaben und Kennzahlen.Das heißt: zu zeigen, wie Wissen dazu beiträgt, die gemeinsame Aufgabe besser zu erfüllen, Entscheidungen fundierter zu treffen oder Fehler zu vermeiden.

Wenn Wissen sichtbar wird als Teil von Qualität, Innovation und Menschlichkeit, entsteht eine neue Dynamik: Dann ist Wissen teilen kein Zusatz, sondern Teil der Identität.

Struktur als Ermöglicher – Nicht verwalten, sondern verbinden

Strukturen sind oft das, was Wissen bremst. Zu viele Schnittstellen, zu viele Systeme, zu viele Hürden.

Wissen fließt dort, wo Strukturen Orientierung geben, aber nicht im Weg stehen. Eine Organisation, die als lebendiges Wissenssystem agiert, versteht Struktur als Ermöglicher – nicht als Kontrolle.

Sie schafft einfache, zugängliche Wege, um Wissen auffindbar und anschlussfähig zu machen. Sie verknüpft Menschen miteinander, statt sie in Abteilungen zu sortieren.

Das bedeutet nicht Chaos, sondern Klarheit: Eine bewusste Architektur, die Begegnung, Austausch und Lernen fördert. Nicht jeder braucht alles zu wissen – aber jeder sollte wissen, wo Wissen zu finden ist.

Kultur als Rahmen – Wenn Wissen Teil guter Arbeit wird

Kultur ist der unsichtbare Rahmen, der jedes Verhalten formt. In einer Wissensteilungskultur wird Teilen nicht gefordert, sondern gelebt.

Es ist kein Extra, sondern Ausdruck guter Zusammenarbeit. Das gelingt, wenn Wissen Teil der Unternehmenswerte und des Selbstverständnisses wird – wenn in Leitbildern, Strategien und Gesprächen deutlich wird, dass Wissen uns als Gemeinschaft gehört, nicht einzelnen Personen.

Eine solche Kultur entsteht nicht über Nacht. Sie wächst über Geschichten, Erfahrungen und Rituale. Über den Moment, in dem jemand sagt: „Ich teile das mal, vielleicht hilft es dir weiter.“ Und über die Erfahrung, dass dieses Teilen gesehen, gebraucht und geschätzt wird.

Zeit und Vertrauen – Die unsichtbare Infrastruktur des Wissens

Wissen braucht Raum und Zeit. Und es braucht Vertrauen, dass dieser Raum genutzt werden darf.

Wenn alles auf Effizienz getrimmt ist, bleibt für Nachdenken, Lernen oder Reflexion kaum Platz. Doch genau dort entsteht neues Wissen – in Momenten, in denen Menschen beobachten, hinterfragen, verknüpfen.

Organisationen, die Wissensarbeit ermöglichen wollen, schaffen Raum und Zeit dafür, für Innehalten, Dokumentieren, Austausch und Lernen. Nicht als Ausnahme, sondern als selbstverständlichen Teil produktiver Arbeit.

Vertrauen ist dabei das Fundament: das Vertrauen, dass Wissen freiwillig entsteht, wenn es nicht erzwungen wird. Dass Menschen sich einbringen, wenn sie sich sicher und gesehen fühlen.
Und dass Wissensarbeit keine Unterbrechung der Arbeit ist – sondern Arbeit im besten Sinn.

Systemisches Denken – Vom Ich zum Wir

Wissen entsteht im Netzwerk, nicht im Organigramm. Eine Organisation, die Wissen versteht, denkt in Beziehungen, nicht in Zuständigkeiten.

Systemisch zu handeln heißt, das Ganze im Blick zu behalten:
Wie hängt Wissen zusammen?
Wo geht es verloren – und warum?
Wie können wir Strukturen so gestalten, dass Wissen zwischen Menschen zirkuliert, statt an Grenzen zu versanden?

Organisationen, die so denken, verändern ihr Selbstverständnis: Sie werden vom Wissensverwalter zum Wissensökosystem. Sie erkennen, dass ihr größter Wert nicht in Datenbanken liegt, sondern in der Fähigkeit, Verbindungen zu schaffen – zwischen Menschen, Themen und Ideen.

Ermöglichen statt einfordern

Wissen lässt sich nicht verordnen. Es wächst dort, wo Organisationen Sinn vermitteln, Strukturen vereinfachen, Vertrauen schenken und Zeit für Denken zulassen.

Eine Organisation, die Wissen teilt, tut das nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus Überzeugung.
Weil sie weiß: Nur wenn Wissen fließt, bleibt sie lebendig.

Wissensteilung ist kein Projekt – sie ist Kultur. Eine Kultur, die auf Verbundenheit setzt statt auf Besitz. Die Menschen nicht antreibt, sondern einlädt, ihr Wissen einzubringen, weil es geschätzt, gebraucht und weitergedacht wird.

Du möchtest dich dem Thema weiter annähern?
Dann könnten diese Fragen ein guter Ausgangspunkt für deine Reflexion sein:
Welche Strukturen oder Rituale fördern bei euch das Teilen von Wissen – und welche stehen diesem Fluss im Weg? Wie sichtbar ist der Sinn hinter eurer gemeinsamen Wissensarbeit für alle Beteiligten?

Wissensarbeit ist echte Arbeit. Punkt.

In vielen Organisationen wird über Wissen gesprochen. Über Tools. Plattformen. Datenbanken. KI.

Und trotzdem bleibt oft ein leises Unbehagen: Das Wissen ist da – aber es entfaltet keine echte Wirkung.

In einem intensiven Gespräch im Podcast Gesund erfolgreich mit Sarah Potempa haben wir genau darüber gesprochen:
Warum Wissensmanagement so oft ins Leere läuft – und was stattdessen gebraucht wird.

Warum Wissensmanagement so häufig ins Leere läuft – und was Organisationen stattdessen in den Blick nehmen sollten.

Aus diesem Gespräch sind sechs Erkenntnisse entstanden, die für mich den Kern treffen.

1: Wissen ist da – aber unsichtbar

Viele Organisationen verfügen über irgendeine Form von Wissensmanagement. Und doch fehlt häufig der Rahmen, der Wissen wirklich ins Zentrum rückt.

Wissen existiert verteilt: in Köpfen, in Dokumenten, in Systemen. Aber ohne Orientierung bleibt es jedoch fragmentiert.

Die Folge: Wissen ist zwar vorhanden, aber nicht für alle zugänglich. Und was nicht zugänglich ist, kann keine Wirkung entfalten.

Wissensmanagement beginnt nicht mit mehr Wissen, sondern mit der Frage: Welches Wissen ist für uns strategisch relevant?

2: Implizites Wissen bleibt meist unbeachtet

Ein großer Teil des relevanten Wissens lässt sich nicht einfach dokumentieren. Es steckt in Erfahrungen, Routinen, Entscheidungen und Einschätzungen.

Oft wird es genau dann genutzt, wenn man es braucht, und zwar ganz unbewusst. Gerade dieses implizite Wissen prägt Qualität im Alltag.

Die Folge: Wissen bleibt an einzelne Personen gebunden und wird für andere weder greifbar noch anschlussfähig.

Wer ausschließlich auf dokumentierbares Wissen schaut, übersieht einen wesentlichen Teil organisationaler Intelligenz.

3: Wissensmanagement heißt kuratieren, nicht verwalten

Wissensmanagement bedeutet nicht, Wissen zu „managen“ oder zu kontrollieren. Es bedeutet Einordnung.

Vorhandenes Wissen zu strukturieren, Zusammenhänge sichtbar zu machen und es in den Fluss der Organisation zu bringen.

Nicht alles muss zentral abgelegt sein. Aber es muss auffindbar, anschlussfähig und einordbar sein.

Die Folge: Das richtige Wissen steht zur richtigen Zeit, für die richtige Person, in der richtigen Form zur Verfügung.

Erst durch diese bewusste Kuratierung entsteht Orientierung und aus Orientierung wird Handlungsfähigkeit.

4: Ohne Führung bleibt Wissen Zufall

Wissensmanagement funktioniert nicht nebenbei. Es braucht bewusste Priorität.

Wenn Führung Verantwortung übernimmt, klare Rahmen setzt und Wissensarbeit sichtbar legitimiert, entsteht Verbindlichkeit.

Führung bedeutet hier nicht Kontrolle, sondern Orientierung und Vorbild.

Die Folge: Ohne Führung bleibt Wissensaustausch dem Engagement Einzelner überlassen, mit Führung wird er Teil der gemeinsamen Arbeitsweise.

Wissensarbeit braucht nicht mehr Kontrolle, sie braucht klare Haltung.

5: Kultur entscheidet über Wissensaustausch

Ob Wissen geteilt wird, entscheidet nicht primär die Technologie. Sondern wie die Menschen miteinander arbeiten.

Vertrauen, Augenhöhe und psychologische Sicherheit sind die eigentlichen Voraussetzungen für Wissensaustausch.

Die Folge: Wissen wird dort geteilt, wo Menschen sich sicher fühlen, nicht dort, wo Prozesse es vorgeben.

Kultur zeigt sich nicht im Leitbild, sondern im täglichen Miteinander.

6: Wissensarbeit zählt oft nicht als Arbeit

In vielen Organisationen existieren klare Budgets und Kennzahlen für nahezu alles. Für Wissensarbeit jedoch selten.

Nachdenken, Reflektieren, Lernen und Teilen erscheinen in keiner Kostenstelle.

Die Folge: Was nicht als Arbeit anerkannt ist, erhält keine Priorität und verliert im Alltag an Raum.

Dabei entsteht genau dort Zukunftsfähigkeit.

Alle diese Punkte machen deutlich: Wissensmanagement ist nach ein Organisations-, Führungs- und Kulturthema.
Er braucht Bewusstsein für das, was im Denken entsteht.

Wer tiefer einsteigen möchte:
Im Podcast Gesund erfolgreich gehen wir auf diese Aspekte und andere ausführlicher ein.


Du möchtest dich dem Thema weiter annähern?

Dann könnten diese Fragen ein guter Ausgangspunkt für deine Reflexion sein:
Welche Haltung zeigen wir als Führung gegenüber Wissensarbeit im Alltag?

 

Wenn Wissen laufen lernt – 25 Jahre Wikipedia und die Kraft des Teilens

Ein stiller Alltagshelfer – und eine große Idee

Wie oft hast du in den letzten Wochen etwas bei Wikipedia nachgeschlagen?
Nicht aus strategischem Kalkül, sondern ganz pragmatisch: um dich schnell zu orientieren, einen Begriff einzuordnen, Zusammenhänge besser zu verstehen. Ein paar Klicks – und du bist schlauer als vorher.

Genau darin liegt die stille Kraft dieses Modells. Wikipedia wird 25 Jahre alt. Ein guter Anlass, innezuhalten und über unseren Umgang mit Wissen nachzudenken – und darüber, was es heißt, Wissen zu teilen.

Der Anfang

Am 15. Januar 2001 ging Wikipedia online. Was damals startete, war ein Experiment mit einer einfachen, aber weitreichenden Idee: Was passiert, wenn Wissen nicht privilegiert bleibt, sondern geteilt wird? Diese Frage berührt bis heute einen empfindlichen Punkt, weit über das Internet hinaus.

Als Wissen noch statisch war

Viele erinnern sich an die Zeit davor: An Brockhaus-Bände, die ganze Regale füllten. An Wissen, das teuer war und physisch präsent sein musste. Wer etwas wissen wollte, brauchte entweder ein entsprechendes Zuhause oder Zeit für den Weg in die Bibliothek.

Wissen war kostbar, aber auch statisch. Es veränderte sich langsam, war nicht für alle gleich zugänglich und blieb oft denen vorbehalten, die sich Zugang leisten konnten. Nicht jede Stimme zählte. Nicht jede Perspektive fand ihren Platz.

Wissen in Bewegung – und warum das alles verändert

Wikipedia hat diese Ordnung verschoben. Plötzlich wurde Wissen frei zugänglich. Menschen begannen, ihr Know-how freiwillig zu teilen, Inhalte zu ergänzen, zu korrigieren und gemeinsam weiterzuentwickeln.

Qualität entstand nicht mehr durch die Autorität weniger, sondern durch das Zusammenspiel vieler. Wissen wurde vom Besitz zum Prozess, vom abgeschlossenen Werk zum lebendigen Gefüge. Ein System, das nie fertig ist – und genau darin seine Stärke hat.

Heute wirkt das selbstverständlich. Vor 25 Jahren war es revolutionär.

Was Organisationen von Wikipedia lernen können

Auch in Unternehmen ist Wissen oft noch gebunden: an Personen, Abteilungen oder Hierarchien. Es wird gehütet, abgesichert, manchmal sogar verteidigt.

Dabei ließe sich vieles gewinnen, wenn Wissens geteilt würde.

Stell dir vor, Wissen dürfte in Organisationen ähnlich fließen wie bei Wikipedia: Nicht als Machtinstrument, sondern als gemeinsamer Staffelstab. Nicht gehortet, sondern weitergegeben, damit andere anknüpfen können.

Die Wirkung wäre spürbar: Silos würden durchlässiger, Lernen schneller, Innovation wahrscheinlicher. Menschen müssten nicht immer wieder bei null beginnen, sondern könnten auf bestehendem Wissen aufbauen.

Natürlich lässt sich das Wikipedia-Prinzip nicht eins zu eins übertragen. Organisationen sind keine Enzyklopädien, und nicht alles darf offen sein. Doch der Grundgedanke bleibt wegweisend: Wissen entfaltet seine Wirkung erst dann, wenn es zugänglich ist.

Oder anders gesagt: Eine Organisation wird handlungsfähig, wenn ihr Wissen nicht in Schubladen verschwindet, sondern wie ein Orchester zusammenspielt.

25 Jahre gelebte Wissenskultur

25 Jahre Wikipedia zeigen eindrücklich, was möglich ist, wenn Wissen geteilt wird – nicht als Selbstzweck, sondern als gemeinschaftliche Aufgabe.

Für Organisationen bedeutet das: weniger Abschottung, mehr Transparenz und mehr gemeinsame Verantwortung für eine lebendige Wissensteilungskultur. Keine Tool-Frage. Sondern eine Haltungsfrage.


Du möchtest dich dem Thema weiter annähern?

Dann könnten diese Fragen ein guter Ausgangspunkt für deine Reflexion sein:
Was würde sich verändern, wenn Wissen bei euch nicht Besitz, sondern gemeinsamer Auftrag wäre?

Megatrend Wissenskultur: Warum Wissen teilen zur Zukunftsfähigkeit gehört

Das Zukunftsinstitut beschreibt im Megatrend „Wissenskultur“, dass Wissen längst nicht mehr nur als Ressource oder Wettbewerbsvorteil verstanden werden kann. Vielmehr geht es darum, wie wir mit Wissen umgehen, wie wir es teilen, organisieren und nutzbar machen. Wissen ist heute der entscheidende Rohstoff unserer Zeit – und er ist unendlich. Doch unendlich heißt nicht automatisch zugänglich. Wissen steckt häufig in Silos, Köpfen und Systemen fest und entfaltet sein Potenzial erst, wenn es geteilt wird.

Damit stellt sich für Organisationen nicht mehr die Frage, ob sie eine Wissenskultur brauchen, sondern wie diese Kultur gestaltet wird. Denn nur dort, wo Wissen frei fließen kann, entstehen Innovation, Resilienz und echte Zukunftsfähigkeit.

Warum ich von Wissensteilungskultur spreche

In meiner Arbeit gehe ich noch einen Schritt weiter: Ich spreche bewusst von einer Wissensteilungskultur. Warum?
Weil der Begriff für mich eine Haltung ausdrückt.

  • Wissen ist kein Besitz, den man hortet.
  • Wissen ist ein Schatz, der sich vermehrt, wenn wir ihn teilen.

Wenn wir von „Teilen“ sprechen, steckt darin mehr als nur die bloße Weitergabe von Informationen. Es geht um einen bewussten, wertschätzenden und oft auch mutigen Akt: Das eigene Erfahrungswissen sichtbar machen, weitergeben und damit andere befähigen.

Implizites Wissen sichtbar machen – Herzstück der Wissensteilungskultur

Wissen ist ein facettenreicher Schatz. Manches davon ist dokumentiert, greifbar, abrufbar. Doch der weitaus größere Teil liegt im Verborgenen: das sogenannte implizite Wissen – die persönlichen Erfahrungen, Muster und Intuitionen von Menschen. Dieses Wissen ist schwer messbar, aber es ist der eigentliche Nährboden für neue Ideen und Innovationen.

Die Herausforderung: Wir wissen, dass dieses Erfahrungswissen da ist, aber oft nicht, wo wir es finden oder wie wir es heben können. Genau hier setzt die Idee einer Wissensteilungskultur an:

  • Sie schafft Räume, in denen Menschen sich trauen, ihr Wissen preiszugeben.
  • Sie etabliert Rahmenbedingungen, in denen Zusammenarbeit nicht auf Konkurrenz, sondern auf Vertrauen basiert.
  • Sie macht sichtbar, dass Wissen ein lebendiges Gut ist, das sich ständig wandelt und weiterentwickelt

Wissensteilungskultur braucht den richtigen kulturellen Rahmen

Kultur beschreibt, wie wir miteinander umgehen – oft unausgesprochen und selbstverständlich. Jede Organisation hat eine Kultur. Die entscheidende Frage ist: Begünstigt diese Kultur das Teilen von Wissen – oder verhindert sie es?

Eine echte Wissensteilungskultur lebt von Neugier, Offenheit, Wertschätzung und echtem Interesse am Gegenüber. Sie stärkt das Wir-Gefühl und macht Organisationen widerstandsfähig, weil nicht alles an Einzelpersonen hängt.

Wissen teilen heißt Zukunft gestalten

Wissen teilen heißt Zukunft gestalten. Wenn wir Wissensteilung als selbstverständlichen Teil unserer Zusammenarbeit begreifen, verändern wir Organisationen von Grund auf:

  • weg von starren Hierarchien,
  • hin zu lebendigen Systemen,
  • getragen von Menschen, die ihr Wissen nicht für sich behalten, sondern großzügig einbringen.

Ich bin überzeugt: Menschen teilen ihr Wissen gerne – wenn wir die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Eine Wissensteilungskultur ist deshalb nicht nur ein Erfolgsfaktor, sondern ein menschliches und gesellschaftliches Zukunftsprojekt.

Du möchtest dich dem Thema weiter annähern?
Dann könnten diese Frage ein guter Ausgangspunkt für deine Reflexion sein:
Wie würde sich deine Organisation verändern, wenn eine echte Wissensteilungskultur selbstverständlich gelebt würde – was würde leichter, was kreativer, was wirksamer werden?

Wissen teilen lohnt sich …

Es ist zwei Jahre her, da habe ich beschlossen, über das Thema Wissensteilungskultur ein Buch zu schreiben.

Ich wollte ein positives Bild aufzeigen, unter welchen Rahmenbedingungen der Wissenstransfer in Organisationen gelingen kann.

Herausgekommen ist ein illustrierter Leitfaden in Form eines ABCs der inspirieren, Raum für neue Ideen und Impulse geben soll und gleichzeitig eine Aufforderung zum Gestalten ist.

Als mich Heike Dreißigacker vor zwei Wochen angesprochen hat, ob sie ihr Visual Memo zu meinem Buch teilen darf, war ich gerührt und im ersten Moment sprachlos.

Wie großartig und welch unglaubliche Wertschätzung für meine Arbeit und Gedanken.

Heike Dreißigacker hat eine Zusammenfassung meines Buches auf einen Blick gezaubert, die mein Herz höherschlagen lässt.

Ich hätte es nicht besser aus den Punkt bringen können.

Seht selbst was sie wunderbares gezaubert hat.

 

Wissen muss orchestriert werden, nicht gemanagt!

Jeder, der mich schon ein bisschen besser kennt, weiß, dass ich den Begriff Wissensmanagement nicht mag.

Denn Managen ist der falsche Begriff dafür. Wissensmanagement wird der Komplexität und Dynamik, die ich damit verbinde, nicht gerecht.

Wenn man jedoch ein Orchester betrachtet, wird einem schnell klar, was ich meine. Jeder Musiker in einem Orchester hat eine einzigartige Rolle, einen festen Platz und klare Verantwortlichkeiten. Trotz dieser Individualität arbeiten alle gemeinsam, um ein harmonisches Gesamtbild zu erschaffen. Jeder Musiker kennt den Zeitpunkt seines Einsatzes, die Bedeutung seiner Anwesenheit und selbst scheinbar einfache Handlungen wie das Umblättern der Noten sind präzise festgelegt.

Die Noten dienen als Richtlinien, aber die Interpretation und das Spiel liegen in den Händen und Köpfen der einzelnen Musiker. Hier tritt der Dirigent auf den Plan – er gibt den Takt vor, vereint die Stimmen und formt aus der Vielfalt der Instrumente ein zusammenhängendes Gesamtkunstwerk.

In ähnlicher Weise betrachte ich Wissensmanagement. Es geht nicht nur darum, Daten zu organisieren oder Informationen zu verwalten, sondern vielmehr darum, sie in einen Kontext zu setzen, zu verstehen und zu nutzen, um ein kohärentes Bild zu schaffen.

Die Menschen sind die Künstler, die die Noten interpretieren, und ein guter „Dirigent“ – sei es ein Teamleiter, Mentor oder ein System – gibt die Richtung vor und koordiniert die Bemühungen, um das volle Potenzial des Wissens zu entfalten.

Routinewissen und wertvolle Erfahrungen effektiv weitergeben

In den letzten Wochen habe ich über einen Wissenstransfer berichtet, den ich gerade begleite.

Dabei geht es vor allem um die Weitergabe von Routinewissen in einer Kommunikationsagentur.

Bei der Wissensidentifizierung wurde deutlich, dass die Wissensträgerin über ein außergewöhnliches Routinewissen verfügt, das es ihr ermöglicht, viele Aufgaben gleichzeitig und äußerst effizient zu bewältigen.

Meine Unterstützung zielt also darauf ab, diese Routinen sichtbar zu machen, damit die Nachfolgerin von diesem Wissen profitieren kann.

In der letzten Wochen haben sich beide zusammengesetzt und sind jede Routine gemeinsam Schritt für Schritt zusammen durchgegangen. Dabei hat die Wissensempfängerin einzelnen Schritte auch immer mal wieder hinterfragt und nachgebohrt, um zu verstehen, warum das Vorgehen so und nicht anders funktioniert.

Einen Punkt finde ich besonders bemerkenswert.

Je tiefer die beiden in die Routinen eingetaucht sind, desto kritischer wurden die Fragen. Das hat die Wissensgeberin an manchen Stellen echt herausgefordert, denn die Antworten auf die Fragen zu finden war oft nicht so einfach.

Mit dem gezielten Nachbohren hat die Wissensempfängerin ihre eigene Perspektive, ihr Wissen und ihre Erfahrungen eingebracht und damit den Blick der Wissensgeberin geöffnet. Was wiederum dazu geführt, dass die beiden an einigen Stellen die Routinen angepasst haben.

So ist im Wissenstransfer noch mal neues Wissen entstanden, das die Wissensgeberin nutzen kann, um ihre eigene Routine zu entwickeln.

Dieser Wissenstransfer zeigt, dass die Weitergabe von Routinewissen möglich ist.

Allerdings erfordert es Engagement und die Offenheit, bestehende Routinen zu überdenken. Im aktiven Austausch zwischen Wissensgeberin und Wissensempfängerin können so neue Erkenntnisse entstehen, die die Qualität der Arbeit für die Zukunft verbessern können.

Die beiden anderen Beiträge dazu findet ihr hier:
Routinewissen – der Schlüssel zur Effizienz im Agenturalltag?
Wissenstransfer: Routinen, Tipps und Stolperfallen

Routinewissen – der Schlüssel zur Effizienz im Agenturalltag?

Ich begleite gerade einen Wissenstransfer bei einer kleinen Kommunikation Agentur.

Der Agenturchef möchte, dass das umfangreiche und komplexe Wissen der Mitarbeiterin im Unternehmen bleibt.

An einem halben Tag durfte ich der Wissensträgerin über die Schulter schauen und sie begleiten.

Dabei hat sich schnell herausgestellt, um welches Wissen es eigentlich geht.

Mir ist aufgefallen:

  • Die Mitarbeiterin ist super gut organisiert.
  • Jeder Task ist geplant und wird Schritt für Schritt nach einem bestimmten Vorgehen abgearbeitet.
  • Bei ihr läuft gefühlt alles wie am Schnürchen.
  • Sie lässt sich auch nicht aus der Ruhe bringen, wenn etwas nicht so läuft wie geplant. Denn, so sagt sie selbst: Ich rechne immer damit, dass etwas nicht so läuft, wie geplant.

Für mich als Außenstehende ist das sehr beeindruckend.

Und schnell stellt sich die Frage:
Über welches Wissen verfügt sie, um alle ihre Tasks nicht nur nacheinander, sondern auch parallel steuern zu können.

Und dann ist es mir klar.

Sie verfügt über ein außergewöhnliches und ausgefeiltes Routinewissen. Damit kann Sie die vielen einzelnen Aufgaben perfekt aufeinander abstimmen.

Um das genau so tun zu können, hat sie sich im Laufe der Zeit für alle möglichen Aufgaben eine eigene Routine zurechtgelegt, die sie dann nutzt, wenn sie die Routine braucht.

In meiner Zusammenarbeit mit der Wissensgeberin und Wissensempfängerin wird es in erster Linie darum gehen, die Routinen, die bei der Wissensträgerin voll automatisch ablaufen, sichtbar zu machen.

Denn das, was sie tut, ist ihr selbst in vielen Teilen nicht bewusst.

So werden wir uns in den kommenden Wochen noch ein paar mal treffen, um Ihre Routinen zu besprechen, um zu erkunden, warum sie diese genau so tut und was genau sie dabei so erfolgreich macht.

Wissensweitergaben effektiv gestalten

Anfang des Jahres habe ich in einem Beitrag berichtet, dass ich bei einem Kunden eine kleine Vortragsreihe rund um das Thema Wissensmanagement halte, um die Mitarbeiter für das Thema zu begeistern.

In meinem zweiten Vortrages ging es um die Frage, wie Wissensweitergaben effektiv in der Organisation gestaltet werden können und warum das heute noch nicht passiert. Also was uns Menschen daran hindert, unser Wissen gekonnt weiterzugeben.

Leider hat mein Mitschnitt des Vortages diesmal nicht funktioniert, sodass ich dieses Mal kein Video teilen kann. Aber dafür werde ich die wichtigsten Punkte zusammenfassen.

Um Wissensweitergaben effektiv zu gestalten, braucht es in meinen Augen ein paar Zutaten, damit das Teilen von Wissen in Organisationen gelingen kann.

Die Zutaten bestehen vor allen aus 3 Dimensionen

1. Kultur, Menschen, Leadership
2. Prozesse, Strukturen
3. Tools, Methoden

Die erste Dimension behandelt den Aspekt Kultur

Kultur beschreibt den Umgang miteinander und charakterisiert die Zusammenarbeit in der Organisation. Sie lenkt das Verhalten von Mitarbeiter ganz unbewusst und doch selbstverständlich. DNA einer Organisation. Eine Wissensteilungskultur, in der das Teilen von Wissen nicht nur als Absichtserklärung irgendwo steht, sondern überall im Unternehmen gelebt wird. Eine Kultur, die den offenen Umgang mit Wissen explizit erlaubt und dies auch von allen gewünscht und akzeptiert wird. Die den Menschen in den Fokus stellt – ich als wertvollen Know-how-Träger und das Wissen jedes einzelnen Mitarbeiters wertschätzt, damit dieser mit seinem Wissensschatz für andere sichtbar wird. Erst in einer gelebten Kultur des Teilens wird klar, dass es sich für alle Beteiligten lohnt, Wissen zu teilen. Es bedeutet für viele Organisationen einen deutlich offeneren Umgang mit dem Wissen ihrer Mitarbeiter.

Meiner Meinung nach ist Leadership einer der Schlüssel für eine Kultur des Teilens. Denn Leadership bedeutet anderen Menschen eine Vision und Richtung zu geben, sodass diese sich mit dem Ziel und der Haltung identifizieren können. Leadership bedeutet die Vision, nicht nur sprachlich attraktiv zu formulieren, sondern sie auch mit Werten und Überzeugungen zu füllen und sie durch das eigene Handeln vorzuleben.

 

In der zweiten Dimension geht es um Prozesse und Strukturen

Fast alle Organisationen arbeiten heutzutage in vielen Bereichen prozessbezogen. Wir haben also unser Tun in kleine Schritte unterteilt, um so unsere Arbeit besser organisieren zu können. Dabei haben wir aber die Dimension des Wissens außen vor gelassen. In fast jedem klassischen Prozessschritt wird Wissen generiert und anschließend weitergeben. Was dabei aber bisher außer Acht gelassen wird, ist die Art und Weise, wie das Wissen zur Verfügung gestellt wird.

Nicht jedes Wissen lässt sich dokumentieren und trotzdem zwingen wir die Menschen in Organisationen alle ihr Wissen in Dokumenten und Datenbanken niederzuschreiben. Damit bleibt viel implizites Wissen, das schwer bis nicht dokumentiert werden kann, unentdeckt.

Was Organisationen brauchen sind Prozessschritte, die die Wissensart berücksichtigt und Möglichkeit das generierte Wissen entsprechend artgerecht weiterzugeben, in dem wir den Menschen wieder mehr Gelegenheiten zum direkten Austausch geben. Unterstützen können wir das, in dem wir neue Strukturen schaffen. Und ich mein wirklich neue Strukturen und nicht eine andere Form der konventionellen Organisationsstrukturen wie hierarchische, funktionale Organisationsstrukturen, sondern von Organisationsstrukturen, die öffnen und nicht eingrenzen, die auf Vertrauen basieren, ein gegenseitiges Geben und Nehmen, ein Miteinander und für einander begünstigen:

  • die Abhängigkeiten abschaffen und ein Zusammenarbeiten auf Augenhöhen ermöglichen.
  • die auf Beziehungen und Vertrauen beruhen
  • die vernetzte Strukturen fördern und begünstigen
  • also weniger Macht, weniger Hierarchie, weniger Ellenbogenmentalität und weniger Einflussname
  • dafür mehr Offenheit, mehr Vertrauen, mehr Beziehungen und mehr Miteinander!

 

In der dritten Dimension spielen die Tools und Methoden eine wesentliche Rolle

Hierbei geht es um die Werkzeuge, die die Menschen in Organisationen benötigen, damit Wissens weitergegeben werden kann.

Die meisten Organisatoren verfügen über einen sehr bunten und vielfältigen Tool-Mix, der die Menschen in der Organisation dabei unterstützt, ihr Wissen zu dokumentieren und mit anderen zu teilen. Was den technischen Aspekt angeht, sind Organisationen gut ausgestattet. So sind diverse Tools wie Intranet, Extranet, Wikis, und diverse andere technische Tools im Einsatz. Größtenteils sind es sogar zu viele Tools und keiner weis so wirklich, welches Tool wofür geeignet ist.

Wo es aber hackt, sind die Methoden – Wir sind heute fast alles Wissensarbeiter und täglich gezwungen unser Wissen mit anderen zu teilen. Was die meisten von uns in der Regel nicht haben, ist Wissenstransfer-Methoden-Kompetenz. Die allerwenigsten von uns haben gelernt, wie wir Wissen richtig weiter geben, worauf wir achten müssen, dass Wissen aufgenommen und verstanden werden kann. Welche Wissenstransfer-Methode sich für welches Wissen und welchen Personenkreis eignet.

Dabei sind Wissenstransfer-Methoden das wichtige Werkzeug, gerade um implizites Erfahrungswissen weitergeben zu können. Mit der Auswahl der richtigen Wissenstransfer-Methoden kann Wissen effektiv und empfängergerecht weitergegeben werden.

Tools und Methoden sind kein entweder oder, sondern ein sowohl aus auch – aber im Gleichgewicht.

Wie finden Wissensempfänger:innen in ihre neue Rolle?

Das war das Thema meines letzten Workshops.

Einen ganzen Tag haben wir uns (Wissensgeber, Wissensempfänger und Teamlead) Zeit genommen, um jede einzelne Rolle im Team genauer anzusehen. Wir wollten wissen, wie jede:r im Team seine eigene Rolle sieht, wie die anderen aus dem Team diese Rolle wahrnehmen und ob es noch Schwierigkeiten bei der Rollenfindung gibt.

Was haben wir am diesem Tag gemacht

Um die Rollen für jeden gut sichtbar und anschließend in den Austausch zu gehen, habe ich für jede:n Teilnehmer:in ein Flipchart vorbereitet – ein Rollen-Canvas mit Reflexionsfragen, die dabei helfen, die jeweilige Rolle so genau wie möglich zu beschreiben.

Im Anschluss durfte jede:r seine Rolle vorstellen und das Team Feedback geben. Der Abgleich zwischen Selbstbild und Fremdbild war für einige der Beteiligten überraschend.

Das lag hauptsächlich daran, dass das Rollenverständnis der Personen sehr zurückhaltend definiert wurde und das Team die jeweilige Rolle viel umfassender sah als die Personen selbst.

Genau wie der vorangegangene Wissenstransfer ist die eigene Rollenfindung ein Prozess, den jede:r im ersten Schritt für sich selbst finden muss. Um die eigene Rolle klarer zu sehen und annehmen zu können, kann das Team helfen, indem es die Außensicht miteinbringt. Damit ergibt sich ein Gesamtbild für die Person, aber auch für das Team selbst.

Wissen muss sichbar werden

Mit dem Sichtbarmachen der verschiedenen Rollen sind die Teilnehmer nochmal stärker als Team zusammengewachsen, weil alle Rollen transparent sind. Für mich war am beeindruckendsten zusehen, wie sich die Teilnehmer:innen gegenseitig bestärkt, ermutigt und unterstützt haben.

Das hat den Wissensgeber zum Ende des Workshops dazu ermutigt, sich bei allen Beteiligten für die konstruktive und wertschätzende Zusammenarbeit zu danken.

Ich weiß jetzt, dass mein Wissen in guten Händen ist und es mit euch neu wachsen wird. Darüber freue mich sehr. Und das macht mir den Ausstieg leichter, auch wenn ich euch noch eine Weile beratend zur Verfügung stehen werde.

Für mich und alle Beteiligten ist das ein schöner Abschluss an diesem Tag.