Intuition im Business: Warum Bauchentscheidungen auf Erfahrungswissen beruhen
In vielen Organisationen gilt noch immer:
Alles, was sich nicht messen, belegen oder in Zahlen ausdrücken lässt, wirkt unsicher.
Doch gerade in komplexen, dynamischen Situationen braucht es mehr als Daten.
Es braucht Erfahrung.
Es braucht Mustererkennung.
Es braucht Intuition – oder, wie viele sagen: das Bauchgefühl.
Der Psychologe und Risikoforscher Gerd Gigerenzer beschreibt Intuition so: “Intuition ist gefühltes Wissen, das auf langjährigen Erfahrungen beruht.“
Intuition ist kein Gegenspieler des Verstandes, sondern seine Partnerin – besonders dann, wenn es keine eindeutigen Antworten gibt.
Wenn Bauchgefühl zur richtigen Entscheidung führt
Ein Beispiel zeigt das besonders deutlich: In einem Luftfahrtprojekt sollte ein neues Steuerungssystem eingeführt werden – hochkomplex, sicherheitsrelevant, mit vielen Schnittstellen. Die technische Prüfung war abgeschlossen, alle Zahlen schienen stimmig.
Doch eine Projektleiterin mit über 20 Jahren Erfahrung äußerte Zweifel: „Ich kann es nicht genau erklären – aber ich habe das Gefühl, wir übersehen etwas im Zusammenspiel mit den Altkomponenten.“
Das Team war unsicher. Am Ende entschied man sich, noch eine zusätzliche Simulation anzusetzen.
Und genau dort zeigte sich: eine Schwachstelle in einem seltenen Randfall – potenziell mit gravierenden Folgen für Budget und Sicherheit.
Gut, dass man hingehört hat.
Denn Erfahrungswissen spricht nicht immer laut.
Manchmal zeigt es sich nur als Stutzen, als Zweifel, als Gedanke, der sich nicht sofort in Worte fassen lässt.
Drei Dinge, die wir über Intuition verstehen sollten
1. Intuition ist nichts Mystisches.
Sie ist keine Eingebung, kein sechster Sinn, kein „weiches“ Bauchgefühl.
Sie basiert auf gelebter Erfahrung – auf dem, was wir über Jahre gelernt haben, ohne es immer in Worte fassen zu können.
„Viele Führungskräfte entscheiden laut eigener Aussage 50 % aller Fälle letztlich aus dem Bauch – obwohl sie vorher alle Zahlen geprüft haben.“
2. Wer Erfahrung hat, sollte auf sein Bauchgefühl hören dürfen.
Intuition ist nur dann verlässlich, wenn sie auf echter Expertise beruht.
Wer sich in einem Gebiet wirklich auskennt, erkennt Muster, bevor andere sie benennen können.
„Wenn dir diese Erfahrung fehlt, dann solltest du deinem Bauch nicht trauen.“
3. Wir müssen lernen, anders zu fragen.
Wenn jemand in einem Meeting ein „ungutes Gefühl“ äußert, versuchen wir oft, es wegzudiskutieren.
Dabei liegt darin oft ein Schatz. Statt zu fragen „Warum hast du ein schlechtes Gefühl?“, könnten wir fragen:
„Wer hier im Raum hat die meiste Erfahrung mit genau solchen Situationen?“
Intuition, Wissen und Wissenstransfer in Organisationen
In der Begleitung von Wissenstransfer-Prozessen erlebe ich es immer wieder:
Es geht nicht nur um die Übergabe von Aufgaben oder das Dokumentieren von Prozessen.
Es geht darum, Erfahrungswissen anschlussfähig zu machen – auch dort, wo es sich nicht sofort erklären lässt.
- Geben wir Intuition mehr Raum – nicht als Gegensatz zur Logik, sondern als verdichtetes Erfahrungswissen.
- Lernen wir, besser hinzuhören – auch (und gerade), wenn sich etwas nicht belegen lässt.
- Und erkennen wir an: Nicht alles, was zählt, steht in Tabellen.
Bauchgefühl ist Wissen
Gute Führungskräfte und Teams entscheiden mit beidem: Verstand und Bauch. Die Logik liefert Argumente. Die Intuition bringt das Erfahrungswissen ein, das wir nicht immer in Worte fassen können – und doch oft entscheidend ist.
Vielleicht ist genau das die wertvollste Form von Wissen, die wir im Wissenstransfer sichern können: Nicht nur das, was dokumentiert werden kann, sondern auch das, was sich in Intuition, Mustern und Erfahrung zeigt.
Du möchtest dich dem Thema weiter annähern?
Dann könnten diese Frage ein guter Ausgangspunkt für deine Reflexion sein:
Was wäre morgen auf einmal nicht mehr möglich – wenn heute eine Schlüsselperson geht?



Kristin Block
Vor zwei Wochen dufte ich einen ganzen Tag mit einer Gruppe von Wisstransferbegleitern*innen verbringen. Auf dem Programm stand das Üben eines Experten-Interviews. Dazu durften die Teilnehmer in Gruppen jeweils in vier Rollen schlüpfen:
Kristin Block


Kristin Block




